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    Fass Brodi, fass! 
   
    Ein erhellender Notenwechsel mit H.M. Broder

 
Am Anfang stand ein Artikel H.M. Broders im SPIEGEL-Online, mit dem Titel "Your wonderful capacity to endlös conflicts". Darin vertritt er die kuriose Behauptung, dass einen Anti-Amerikaner lediglich die Sucht nach dem Gefühl der moralischen Überlegenheit umtreiben würde. Ich verfasste eine Replik, die man jedoch bei SPIEGEL-Online nicht veröffentlichen wollte. Nu, da hab ich sie halt geschickt dem Herrn Broder perseenlich ...

Die sich anknüpfende Korrespondenz zeigt, wie ein Thema in dessen Händen zur fortschreitenden Räude gerät. Die gesamte Korrespondenz ist recht lang, doch will ich sie in Ihrer Gänze dem geneigten Leser ans Herz legen, denn er wird garantiert wahrhaft Komisches darin finden.

Daniel Rapoport schrieb am 7.11.2002
Lieber Herr Broder,

zu Ihrem SPIEGEL-Online Artikel "Your wonderful capacity..." hatte ich Ihnen eine Entgegnung aufgesetzt und hernach umgehend versucht, diese bei Spiegel-Online als "Gegen-Feuilleton" zu veröffentlichen, oder zumindest - in einer weniger öffentlichen Version - als Leserbrief. Ich bat um Erlaubnis, einen kleinen Federkrieg zur Häme und Erbauung des geneigten Publikums anzetteln zu dürfen. Allein, Spiegel-Online schwieg und ließ sich auch nach wiederholtem Nachfragen zu keiner Reaktion herbei, und wär es nur ein lakonisches "Nein!". Also habe ich Ihre email-adresse im Internet ausfindig gemacht und sende Ihnen nun das Manuskript frei Haus.
Zweierlei will ich noch zu Ihrem Artikel vorbemerken. Erstens verlohnt es, ihren Grundvorwurf "Du befürwortest, was Du für gut hältst, um Dich dann gut zu fühlen" genauer zu untersuchen. Sie können sich selbst einmal daran machen, soviel Zeit werden Sie - zB. in der Badewanne - sicher finden. Zweitens vertreten Sie in Ihrem Artikel einen Wertnihilismus, der letztlich Zielscheibe meiner Entgegnung ist. Ein Wesensmerkmal von Kultur besteht in der Errichtung von Werten, allein, diese Binsenweisheit darzutun wäre fürs Feuilleton zu bieder, weswegen ich mir ein wenig Unterstützung von Kurt Schwitters ausgeliehen habe. Denn DaDa hat - im Gegensatz zu Ihrem Artikel - fragwürdige Werte der Lächerlichkeit preisgegeben, ohne dabei in Nihilismus zu verfallen (und wurde so selbst Kultur).
Wie ich auf Ihrer offiziellen Homepage fand, pflegen Sie bezüglich Ihrer Korrespondenz einen gewissen Exhibitionismus (zur Häme und Erbauung... Sie wissen schon). Bevor ich diesen Begleitbrief endige, schlage ich Ihnen vor, mein untenstehendes Manuskript diesem Exhibitionismus zu opfern, und Ihren, nach eigenem Bekunden "schandmäuligen" Senf, dazu zu geben. Sie würden das letzte Wort haben. Trauen Sie sich?

Ihr aufmerksamer Leser,

Daniel H. Rapoport

(Das gehört beiläufig nicht hierher)
 
Wenn H.M. Broder einen Begriff bestimmen will, wird meist nichts daraus. Er schweift ab, versandet. Der Anti-Amerikanismus (Pause). Er knabbert am Federkiel, verfehlt einen Gedanken (nur knapp), ringt mit dem leeren Papier und schmeißt schließlich zornig eine Tür, schlurft zurück zur Stätte seiner Pein. Ihm fällt nichts ein, er hat ums Verrecken nichts zu sagen, nichts was - beiläufig gesagt - hierher gehörte, in unsere kostbare Zeit. Dabei wurmt sie ihn doch eigentlich, die Zeit.
Ihn ergrimmt diese Meute wundersam zusammengewürfelter Anti-Amerikaner, er fragt sich, wie solch Panoptikum absonderlicher Existenzen sich unter diesem Dache zueinander gesellt, um dann tatsächlich dreist, unangenehm und eigentlich lächerlich (wenn es nicht wirklich und wahrhaftig stattfinden würde) zu tönen. Er schwitzt und seine Knabbereien hinterlassen kleine Male auf dem Kiel. Er brodelt. Gleich - es kündet sich, er kennt das Gefühl - gleich wird er das erste Wort zu Papier werfen, da! Rattatata ta täää!

Nun steht es da: "Der Anti-Amerikanismus ist Mogelei." Er ist nämlich keine Reaktion auf Amerika, sondern ein "autonomes Ressentiment" (nennen Sie es Zufall). Das ist mal eine These! (Inspiration kommt von Transpiration) Zufrieden blickt er auf seine ersten Zeilen, die den Anti-Amerikaner als notorischen Nörgler entlarven, der seiner greinenden Miesmacherei einen höheren Anstrich geben will. Die Feder kratzt: "Antiamerikanismus ist der Urschrei verwundeter Seelen." (fümms böwörötäzää) Im Grunde sind es zu-kurz-gekommene, die sich für zu-kurz-gekommen halten (warum nur?). H.M. Broder ist nicht zu-kurz-gekommen, die Welt ist wie sie ist und man soll sich daran halten und sprechen "Ich bin zu-kurz-gekommen (das gehört beiläufig nicht hierher)" anstatt "Amerika hat zu-Lang-streckenraketen (und das stinkt mir)". Eigentlicher noch: Die Anti-Amerikaner sind die Untüchtigen, die Schuld für ihre Untucht bei Amerika suchen. Oder besser doch nicht, dann müssten ja die Arbeitslosen die grössten Anti-Amerikaner sein. (nennen sie es Ausschlachtung)
Dann eben so: Die Deutschen würden "mit dem Holocaust im Gepäck" eine überlegene Moral beanspruchen, die sie zur Kritik an Amerika geradezu verpflichte. Von Begriffsbestimmung des Anti-Amerikanismus keine Spur mehr. Es geht H.M. Broder von jetzt an nur noch um die Deutschen, ihre verquere Instrumentalisierung der eigenen Geschichte, um das "ganz untige Rumoren der Vox populi" und wie "es" in Deutschland denkt. Die These, Anti-Amerikanismus sei keine Reaktion auf Amerika verendet im Psychologisieren der "deutschen Volksseele", in Polemik und unhistorischen Betrachtungen, aber endlich bahnbricht sich H.M. Broder aufs Papier und das berauscht ihn, das ist ihm wichtiger als das Begründen einer in den Raum geworfenen These. (Material ist nämlich Wurst) Für ihn hat der deutsche Volksmund Mundgeruch, ein ekler Brodem, da möchte er schon mal Zahnbürste in diesem dunklen Schlunde sein.

Jedoch, ist der Anti-Amerikanismus das alleiniglich deutsche Phänomen, zu dem es bei Broder verkommt? Ist er ein Vehikel jener, die beständig an der Verteilung der Früchte menschlicher Arbeit mäkeln? (Banalitäten aus dem Chinesischen) Ist er also im Grunde nur eine psychopatologische Entgleisung? Abgesehen von der Vertauschung der Ursache mit ihrer Wirkung, die im Psychologisieren politischer Haltungen liegt, würde sich H.M. Broder wundern, das es im Anti-Amerikanismus auch Inhalte gibt und Interessen. Und, Surprise Surprise!, diese Interessen sind obendrein äusserst divers und durchdringen alle tradditionellen politischen Lager, das der Linken, der Liberalen und der Rechten. Er (der Anti-Amerikanismus nämlich) findet sich in China, in Syrien, in Vietnam, in Russland, in Costa Rica, in Deutschland, Griechenland, Frankreich und sogar in den USA daselbst. (nur in England nicht, die haben ihr Gebiss verlegt und finden es nicht wieder) Und alle (Du, Deiner, Dich, Dir) folgen dabei verschiedenen Interessen, alle haben verschiedene - teils in ihrer Historie begründete - "Ressentiments". Sei es aus Wut und Schmerz über amerikanische Bomben, sei es aus konkurrierenden Ansprüchen an Einfluss und Resourcen, sei es aus Empörung über die amerikanische Finanzierung von Militärdiktaturen und Putschen. Und - H.M. Broder vergass dies in seiner Glosse - diese Empörung kann tatsächlich auch von den Betroffenen aufgebracht werden und nicht nur von "geschehensfernen Deutschen". Überhaupt ist der Mangel an Differenzierung im Broderschen Opus eklatant. Mit dem Vorwurf Anti-Amerikanismus bedenkt er jedweden Kritiker der amerikanischen Aussenpolitik (wahrscheinlich auch jene, die einen internationalen Gerichtshof favorisieren), Menschenrechtler jeder Coleur, Pazifisten und den Mond (wer nicht für uns ist, der ist gegen uns). Wenn H.M. Broder solches Engagement mit Anti-Amerikanismus gleichsetzt offenbart er damit lediglich sein eigenes Amerika-Verständnis. Allein, er schert sich um keine Analyse und nimmt ein neues Blatt weisses Papier zur Hand (gequältes Holz).
Mit knirschender Feder setzt H.M Broder nun gegen jene an, die "alles relativieren" und den 11. September womöglich mit anderen Verbrechen vergleichen. Jedes Opfer hat zugleich mit seiner Opferrolle auch die Unvergleichlichkeit seines Leidens gepachtet. Vergleiche nivellieren das Leid, ja leugnen es geradezu. Also sind Historiker, die nur durch vergleichende Untersuchungen zu allgemeinen Aussagen gelangen können, unhistorisch. Aber weiter: Nun spritzt seine Feder Hohn, weil die Anti-Amerikaner plötzlich etdeckten, daß die USA kein Wohlfahrtsverein seien, sondern Weltmacht-orientierte Interessenpolitik betrieben. Setzt dagegen, daß auch deutsche Konzerne im eigenen Interesse handelten. (Radiumhaltig.) H.M. Broder kontert Little Bighorn, Dresden und Hiroshima mit einem schulterzuckenden "Na und?" Nun ist nicht jeder mit der Gefühlstaubheit des H.M. Broder geschlagen, allein das gehört beiläufig nicht hierher. Hierher jedoch gehört die Frage, wer denn nun "alles relativiert"? H.M. Broder relativiert ganz offenbar das Unrecht aneinander, seine Botschaft lautet: "Der Mensch ist schlecht, so what?"
Wenn also dereinst (zB. Merz 2003) wieder einmal amerikanische Bomben auf den Irak fallen, dann sollen wir "Westeuropäer" aufgeklärt schweigen. Schliesslich hatten wir unsere zwei Weltkriege, unser Bosnien und unseren Kosovo, sollen die USA also ihr Hiroshima, ihr Vietnam und ihren Irak haben. - Dass es jemandem einfallen könnte, all diese Entgleisungen der Menschen, Amerikaner oder Deutsche, in Krieg und Jahrzehnte währendes Leid zu verdammen und vehement dagegen einzutreten, fällt H.M. Broder nicht ein. Dass ein Deutscher aus rationalen Gründen zur Kriegsgegnerschaft gelangen könnte scheint ihm absurd. Wahrscheinlich sogar, dass man überhaupt zur Kriegsgegnerschaft gelangt. (Dabei kann man durchaus beweisen, daß die Kulturlosigkeit auch ohne Krieg Bestand hat).

Der letzte Federestrich ist getan und H.M. Broder lehnt sich breit und wohlgefällig zurück (du tropfes Tier). Er hat ihn gewonnen, den Kampf gegen das weisse Papier - nicht den gegen den Anti-Amerikanismus. Gegen den ist er im Grunde gar nicht angetreten, dessen Inhalte hat er geflissentlich ignoriert (das gehört beiläufig nicht hierher), also hatte er (ums Verrecken) nichts zu sagen. Nichts jedenfalls, was sich nicht in einem einzigen Satze, den Anti-Amerikanern zugewidmet etwa so zusammenfassen liesse:"Ihr kotzt mich an!". Worauf einer der ihrigen seinerseits um langes Gerede umhin gekonnt hätte, um zu erwidern: "Sie uns auch, Herr Broder."

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(HMB traute sich nicht, dieses "Gegenfeuilleton" auf seiner Webseite zu affichieren. Stattdessen wich er ins private aus und der folgende Notenwechsel entspann sich :)
 
Henryk M Broder schrieb am 7.11.2002
schön, daß sie sich so ausgiebig mit mir und meinen motiven beschäftigen. was machen sie sonst? aus dem kaffeesatz die zukunft lesen? b.
Daniel Rapoport schrieb am 7.11.2002
schön, daß sie sich so ausgiebig mit mir und meinen motiven beschäftigen.

Nur mit ihren Motiven.
(Kunst zu offenbaren und den Künstler zu verheimlichen ist das Ziel der Kunst. Oder sind sie am Ende kein Künstler?)
Ihre zuweilene Angekotztheit ist nachvollziehbar; was Sie daraus hernach in Ihrem Artikel konfabulieren, fordert Widerspruch. Den habe ich Ihnen formuliert, allein Ihnen gebricht es an Willen zur gediegenen Auseinandersetzung... ärgern Sie sich also weniger und setzen Sie sich mit den Inhalten auseinander, sonst gibt es noch ein Herzleiden.

was machen sie sonst?

Ich bin ein musizierender Chemiker (das gehört beiläufig nicht hierher). Feuilletons schreibe ich zur Fingerübung, nicht als Broterwerb, aber das kann sich ändern. Falls Sie mir noch weitere Vorlagen für zukünftige Fingerübungen liefern wollen, wär ich Ihnen tiefinnig verbunden.
aus dem kaffeesatz die zukunft lesen?
Nein, ich kenne die Zukunft nicht und auch nicht den Herrn Nebukadnezar. Und Sie?

Ihr Daniel Rapoport

Henryk M Broder schrieb am 7.11.2002
-- sie sind ein gediegener schwätzer.
Daniel Rapoport schrieb am 7.11.2002
-- sie sind ein gediegener schwätzer.

Danke, bei Ihnen entfällt das "gediegen".

Antworten Sie bitte nicht mit:"Und Sie sind ein dummer Esel!" oder "Du bist ja blöd!". Wenn Sie sich derart scheuen, sich mit Inhalten auseinander zu setzen, verzichte im weiteren gern darauf, einander in Hauptsätzen zu beschimpfen. Ach, und fragen Sie bitte auch nicht "Welche Inhalte?", denn auf diese Frage besitze ich ein Erstlingsanrecht.

Ihr Daniel Rapoport

Henryk M Broder schrieb am 10.11.2002
- sie tragen einen großen namen, sind aber eine dumme nuß. glauben sie wirklich, ich hab auf sie gewartet, um mich mit inhalten auseinanderzusetzen, weil ich vorher keine gelegenheit dazu hatte? wie habe ich es die ganze zeit nur ohne sie geschafft?
Daniel Rapoport schrieb am 11.11.2002
- sie tragen einen großen namenm, sind aber eine dumme nuß.

Herr Broder, Sie wollen anscheinlich nicht über "Du bist ja doof!" hinaus gelangen. Gut, das habe ich nun mehrfach vernommen, allein sind Sie zu Weiterem in der Lage? Ihre stattgehabten "Auseinandersetzungen mit Inhalten" schlagen sich immerhin weder in Ihrem Artikel, noch in unserer Korrespondenz nieder. Wenn Ihre Renitenz also allein in den Willen mündet, das letzte Wort zu haben, mache ich Ihnen nicht viel Hoffnung, denn ich bin streitsüchtiger und rechthaberischer, als sie es sich ausmalen (es sei denn, man verharrt gähnend in einer Endlosschleife gegenseitiger Namensgebungen, wie "Nuss", "Korinthenkacker" oder "Flachglasfabrik", oder Attributierungen wie "dumm" oder "starrsinnig").
Dass ich Sie anfeinde gründet sich tatsächlich in Inhalt und Attitüde Ihres Artikels. Lassen Sie uns zusammen nocheinmal ihren Hauptvorwurf ansehen; er lautet: "Die Anti-Amerikaner sind gegen Amerika (USA), um sich moralisch überlegen zu fühlen." Übersetzt in eine formalere Sprache heisst der Vorwurf: "Du tust, was Du für gut hältst, nur um Dich gut zu fühlen". Um die Diskussion abzukürzen, läuft Ihr Argument auf die radikale Moralvorstellung hinaus, nach der eine "Gute Tat" ihren Namen nur verdient, wenn Sie um Ihrer selbst Willen geschieht. Dass Sie lediglich das "Gute" bewirkt, gilt in diesem Ansatz nicht als hinreichend, ergo wären Sie der grössere Moralist. Die gute Tat darf Ihrer Meinung nach nicht getan werden, um sich gut zu fühlen, sondern, um der guten Tat willen. (Es gibt auch gemischte Ansätze, die in die Bewertung einer Tat sowohl ihre Intention als auch ihr Ergebnis einfliessen lassen; diese halte ich selbst für die praktikabelsten.) Obgleich Sie sich mit Ihrem Hauptvorwurf als radikaler Moral-Hardliner outen, nehmen Sie in anderen Teilen des Artikels diese Haltung vollkommen zurück und vertreten ihr Gegenteil. Sie rechnen Sündregister gegen Sündregister, um schliesslich zu dem Schlusse zu gelangen, dass niemand in unser verkommenen Welt einen Stein werfen dürfe, und moralische Vorwürfe durch die allerorten angehäufte Schuld inhaltslos, deplaziert und beliebig seien. So entwerten Sie die Moral einerseits, um sie andererseits als Argument zu verwenden. In diesem prinzipiellen Widerspruch bewegt sich Ihr Artikel dabei mit aufreizendem Mangel an sachlicher Argumentation, an Historizität, und nicht zuletzt - leider - an Stil. Gute Polemik erschöpft sich nicht in Verbalinjurien, sondern nimmt jene nur in den Dienst ihres Anliegens (Sie können diesen Satz gern ausdrucken und über Ihren Arbeitsplatz hängen).

Darüber hinaus ist Ihr "Hauptvorwurf" unsachlich, weil er die sachlichen Inhalte jeglicher Amerikakritik ignoriert; über begründete Kritik zB. an der US-Aussenpolitik also an anderer Stelle.
glauben sie wirklich, ich hab auf sie gewartet, um mich mit inhalten auseinanderzusetzen, weil ich vorher keine gelegenheit dazu hatte? wie habe ich es die ganze zeit nur ohne sie geschafft?
Seien Sie nicht so fürchterlich ich-bezogen, diese Egomantik ist söderlich. Wenn Sie nicht dazu neigten, sich selbst mit den von Ihnen in die Welt gesetzten Artikeln zu verwechseln, könnten wir sicherlich über Ihr Anliegen (und das meinige) debattieren. Ich habe nicht Sie gemeint, sondern Ihren Artikel, soweit müsste Ihre publizistische Erfahrung Ihnen doch im mindesten raten können. Ich kann den baren Unsinn nicht dulden den Sie da ausgegossen haben, während Sie lediglich nicht dulden können, dass man Ihnen widerspricht. Man fügt indes der eigenen Meinung nicht viel Überzeugungskraft hinzu, wenn man dabei mit dem Fusse aufstampft. Noch weniger, wenn man sich nur auf's Stampfen beschränkt. Halten wir also die Füsse still und bemühen edlere Organe, um auszufechten, was Sie losgetreten haben.

Ihr Daniel Rapoport

PS: Ihr Name ist auch nicht von schlechten Eltern, besonders das Ypsilon.

Henryk M Broder schrieb am 12.11.2002
- für leute wie sie wurde der offene kanal eingerichtet. versuchen sie es mal dort.
Daniel Rapoport schrieb am 12.11.2002
- für leute wie sie wurde der offene kanal eingerichtet. versuchen sie es mal dort.

Mensch Herr Broder, zuweilen bildet das klägliche Einzelfeuer Ihrer Restsynapsen interessante Muster. Bei ihrem Artikel hatte ich noch den Eindruck, Sie würden nur ärgerliches und nichts amüsantes zu Wege bringen, aber nun komme ich langsam auf meine Kosten. In Ihren wortkargen Antworten liegt einiger Witz. Vielleicht lässt sich daraus ableiten: Werden Sie wortkarg! Schreiben Sie weniger, das ist manchmal mehr, ja, wenn Sie schweigen würden, das wär' das Höchste!

Obgleich: Ich müsste auf diesen Springbrunnen der Flachheit, ihre Briefchen, verzichten, das wär schade. Aber darin scheinen Sie verlässlich: Sie schreiben immer zurück, wohl dressiert. Alsdann: Fass Brodi, fass!

Ihr Daniel Rapoport

PS: Paragraph1 Der Retriever ist der unentbehrliche Helfer für die Arbeit nach dem Schuss, insbesondere für das Apportieren (to retrieve).
siehe: http://home.t-online.de/home/Stefan.Schlamp/pruefungen/dpo.pdf
Henryk M Broder schrieb am 13.11.2002
nur mal zur klärung, sie promovierter dummbatz: habe ich sie belästigt oder sie mich?
 
 
Well, Seine Artikel belästigen. Nicht nur mich und nicht erst seit gestern. So schnell wird nach ein paar e-mails ein (Schreibtisch-)Täter zum Opfer.

Ich zog es an dieser Stelle vor, die gesamte Korrespondenz auf's Netz zu legen, um Ihnen, lieber Leser, einen Einblick in die inhaltsschwangere Gedankenwelt des H.M. Broder und ein wenig Kurzweil zu gewähren. Falls Sie diese hier finden konnten, wär ich Ihnen verbunden, wenn Sie den Link Ihren Nächsten zur Freude weiterreichten.

Daniel Rapoport

Nov, 2002

Postscriptum, MRZ 2006

Seit gut dreieinhalb Jahren bemüßigt die Angelegenheit schreibfreudige Menschen, mir ein paar Zeilen zuzuwidmen. Ich bin veranlaßt, denen meinen Dank, und also einige Worte zurück zu geben.

Daß mir die Begebenheit immer noch fast täglich Post beschert, bezeigt, daß sie irgendwie ins Schwarze getroffen hat. Sowas ist natürlich ein großer Glücksfall für eine Glosse und kann unmöglich eines Autors Leistung sein.

Dennoch bin ich verzagt, Dankbarkeit auf die Historie zu wenden, deren Lauf, daran zweifle ich keine Minute, das Schwarze ist, in das der obige Notenwechsel mit Broder trifft. Dieser Schwärze zu honorieren, daß sie uns lethargisches Weidevieh zuweilen nötigt, in die Tatstatur zu kotzen, bin ich, ehrlich gesagt, dem Erfolg der Glosse zum Trotz, ungewillt.



© 2002-2005 DH Rapoport
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