Die reizlose Seite des Humanismus
Widerwillige Untersuchung der Frage, ob Peter Hacks ein Antisemit gewesen sei
R E Z E N S I O N
Thiele kann denken. Thiele kann schreiben. Und Thiele kommt aus der Sprache.
REZENSION
Es gibt Künstler, denen fällt zu viel ein, um sich mit ausladenden Formen abzugeben. Niemals wäre Peter Hacks ein »Wallenstein« unterlaufen; nie, prophezeie ich, wird uns Marco Tschirpke mit einem Wagnerschen »Ring« behelligen. Anstatt im Weitläufigen treffen sich beide Künstler im Kurzweiligen.
Peter Hacks: "Die Romantik von Reich und Rasse"
Der Leibeserzieher Jahn hatte neben dem Turnbock ein zweites Steckenpferd, er übersetzte mit Leidenschaft Fremdwörter. Jahns theoretisches Lebenswerk besteht in einem Übersetzungsfehler. Ihm war eingefallen, das Fremdwort Nationalität mit dem deutschen Wort Volkstum zu übersetzen.
Heine in „Das Reclam Buch der deutschen Literatur“
In Prof. Volker Meids „Reclam Buch der deutschen Literatur“ geht es auf Seite 332 viel über Heine-Denkmäler. Das Tucholsky-Zitat, in Deutschland würde sich deren Zahl zu der der Kriegerdenkmäler wie der Geist zur Macht verhalten, leitet das Kapitel ein; die schöne Ermutigung, endlich gäbe es bereits dero zwei, nämlich seit 1981 in Düsseldorf und seit 1982 in Hamburg, leitet es aus. So falsch ist die Angabe, daß sich darüber ganz zweifelsfrei beweist, wie Recht Tucholsky noch immer hat.
Wie Moishe Postone sich irrte. Der Komödie erster Teil.
Kann einer ein Antisemit sein, ohne es zu wissen? Der Frage, scheints, mangelt es an Ernsthaftigkeit. Gerade deshalb aber wird sie bitter umkämpft und manch Debattant hat darüber mit einem bös inflammierten Hirn bezahlt. Der von den Bejahern in Anschlag gebrachte Begriff klingt elaborierter: "struktureller Antisemitismus" heißt ihr Fürwort für jenen Antisemitismus, der kein Judenhass ist.
Jutta Limbach oder Alfred Polgar?
Ein Wort wurde jüngsthin zum schönsten im ganzen Lande gekürt: Habseligkeiten. Indes herrscht Unklarheit, ob sich das von "Habe" plus "Seligkeit" ableitet. Jutta Limbach, Präsidentin des Goethe-Institutes, hält offenbar dafür. Alfred Polgar jedoch, der "Meister der kleinen Form" ist anderer Meinung.
Anschlag auf Visionen
Mit schöner Regelmäßigkeit wird die Wissenschaft von Skandalen heimgesucht, bei denen Ergebnisse gefälscht, gestolen oder einfach nur ausgedacht wurden. So geschehen im September 2002, einem schlagzeilenträchtigen Skandal um H. Schön von den berühmten Bell-Laboratorien.